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Die Zeitrechnung des Palmöls

Auch in Südmexiko wollen Investoren Palmölplantagen im grossen Stil aufziehen. Doch der Widerstand formiert sich.

 

"Auch ich habe meinen Stolz"

Für Betroffene ist die Arbeit in sklavenanalogen Verhältnissen eine demütigende Erfahrung über die sie nicht gerne Sprechen. Feliciano aus Villa Rica im Bundesstaat Amazonien in Brasilien fasste sich dennoch ein Herz.

Sie müssen sich als Landarbeiter für wenig Geld verkaufen. Haben Sie nie versucht einen Schlussstrich zu ziehen und irgendetwas Neues zu versuchen?

Wie denn? Ich bin ein guter Arbeiter und habe auf mehr als einem Dutzend Fazendas gearbeitet. Überall gibt es die so genannten Gatos. Das sind Arbeitsvermittler und Aufseher oft in einer Person. Diese Leute rühren keinen Finger, bestehlen uns, hauen uns bei der Lohnauszahlung übers Ohr und betrügen beim Lebensmittelverkauf. Zudem sind sie gewalttätig. Die Fazendas sind oft abgelegen. Weit und breit kein Dorf. Es gibt nur die Lebensmittel der Vermittler, die wir daher kaufen müssen. Am Schluss einer Arbeitsperiode habe ich zu wenig verdient, um etwas anderes zu machen.

Wie sind Sie in den Kreislauf von unterbezahlter Arbeit gekommen, die es nie ermöglicht, etwas aufzubauen?

Meine Eltern waren arm. Ich musste mit 13 Jahren meinen Lebensunterhalt verdienen und ging deshalb von zu Hause fort. Ich habe meine Eltern nie wieder gesehen.

Haben Sie nie versucht, an einer Stelle länger zu bleiben, um so ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können?

Wir sind Taglöhner. Uns holt man, wenn es Arbeit gibt, und: uns feuert man, wenn sie zu Ende ist. Die Kontaktpersonen sind die Gatos, die an Orte kommen, wo Arbeitssuchende zu finden sind. Ich kann oft nicht einmal meine Frau benachrichtigen, wo ich untergekommen bin. Wenn es keine Arbeit mehr gibt, stehen wir wieder auf der Strasse.

 

Kein Geld mehr fürs Essen

indonieseinIn Indonesien haben sich die Energiepreise in vier Jahren mehr als verdreifacht. Auch die Lebensmittelpreise sind explodiert. Das können viele nicht mehr verkraften.

Eine Protestwelle hat Indonesiens grosse Städte erschüttert, seit die Regierung angekündigt hat, die Energiepreise weiter zu erhöhen. Binnen weniger Wochen sind diese um fast ein Drittel gestiegen. Ein Liter Kerosin, das vor allem zum Kochen verwendet wird, kostete im Juni knapp 20 Eurocents, Benzin und Diesel knapp 50. Seit der Machtübernahme durch Präsident Yudhoyono im Jahr 2004 haben sich die Benzinpreise mehr als verdreifacht.

Auch die Lebensmittelpreise zeigen steil nach oben. Die Weltbank behauptet, Indonesien profitiere von dieser Entwicklung durch steigende Einnahmen für exportierte Nahrungsmittel. Die alltägliche Realität im Land zeigt für die arme Bevölkerung ein ganz anderes Bild. Die Spitze des Eisbergs zeigen etwa Berichte von verzweifelten Eltern, die ihre Kinder töten, weil sie sie nicht mehr ernähren können. Extreme Unterernährung in einigen Landesgegenden, und epidemische Ausbrüche von Kinderlähmung sind weitere Anzeichen für eine Politik, die es nicht geschafft hat, der Bevölkerung ein nachhaltiges Überleben zu sichern.

 

Pressebüro Seegrund – Sankt Gallen (CH)