Ölsand wichtiger als Cellulose-Ethanol
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- Von Fitze Urs
Es hätte der Beginn eines neuen Energiezeitalters für den britischen Ölmulti Shell sein können, als die Firma 2008 bei der kanadischen Iogen einstieg, dem Branchenpionier bei der Produktion von Ethanol aus Cellulose. In der Hauptstadt Ottawa ist seit 2004 eine Pilotanlage in Betrieb, die aus einer Tonne Weizenstroh 350 Liter Ethanol macht. Auch mit anderen In Manitoba, wo gigantische Mengen Stroh mangels weiterer Verwendung einfach untergepflügt werden, sollte die weltweit grösste Produktionsanlage mit einer Kapazität von rund 90 Millionen Liter gebaut werden. Lieferverträge waren schon unterzeichnet, der Baugrund vorbereitet, die Pläne lagen in der Schublade, 200 der 500 Millionen Dollar Produktionskosten hätte die Provinzregierung von Manitoba übernommen. Doch seither ging nichts mehr. Und nun das Aus. In einer lapidaren Pressemitteilung heisst es, der Konzern werde das Vorhaben nicht weiterverfolgen. Stattdessen sollen Bagasse-Projekte in Brasilien weiter verfolgt werden. Das ist, nicht nur für Kanada, wo potenziell ein Zehntel des Treibstoffbedarfs aus Stroh-Ethanol gewonnen werden könnte, ohne eine schlechte Nachricht. Denn es geht nicht nur um Stroh, sondern auch um andere Abfall-Produkte: Maisschrot (ohne Kolben), Chinaschilf, Elefantengras, Hafer- und Gerstenstroh, Bagasse aus Zuckerrohr, Hartholz-Chips, mit denen die Pilotanlagen auch erfolgreich befeuert worden war. Der sang- und klanglose Abschied von Shell aus dieser viel versprechenden Technologie bedeutet auch einen Paradigmenwechsel. Shell zählt zu den grossen Investoren in der Ölsand-Industrie in der kanadischen Provinz Albert. Dort geht es nicht um ein paar hundert Millionen und eine potenziell lange Anlaufzeit bis zu ersten schwarzen Zahlen, sondern um ein Multi-Milliarden-Geschäft, das – mit katastrophalen Folgen für Umwelt und Klima – unter der konservativen kanadischen Regierung, die inzwischen auch aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen ist, mit Vollgas vorangetrieben wird. Shell zeigt sein wahres Gesicht.,


















