| Magrovenwälder schützen vor Tsunami |
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Ohne Mangrovenwälder würde das südasiatische Land Bangladesch noch stärker unter den Folgen der jährlichen Sturmfluten leiden. Rodungen haben allerdings dazu geführt, dass der Waldbestand weiter schrumpft. Lautlos zerteilt der Bug die Fluten des natürlichen Kanals. Tiefer und tiefer treibt die Barkasse in das unübersichtliche Wasserstrassennetz der Sundarbans, auf Deutsch „schöner Wald“. Auf knapp einer Million Hektaren Fläche erstreckt sich an der Bucht von Bengalen das weltweit ausgedehnteste Delta. Schwemmmaterial, das der majestätische Ganges vom Himalaya mit sich führt, bildet dort Schlickbänke und Schwemmlandinseln. Ebbe und Flut formen sie ständig um. So wächst das Mündungsgebiet Jahr um Jahr. Bengalens grösster Mangrovenwald ist ein Schutzschild gegen die Naturgewalten. Mit grosser Verlässlichkeit verwüsten Wirbelstürme die Küstengegend jedes Jahr. Würde die Waldbarriere nicht ihre unvorstellbare Wucht abmildern, wären die Hochwasserkatastrophen in Bangladesch noch viel dramatischer. Zudem bewahrt er die Küstenlandschaft vor Bodenverlust. Denn während der sommerlichen Monsunzeit, wenn bis zu einem Drittel der Landfläche unter Wasser steht, verschlingen plötzliche Hochwasser nicht selten ganze Teile der Uferböschung. Es kann noch schlimmer enden: Manchmal verlieren die Bewohner, die sich als Lehmsammler für die Ziegelherstellung, Kleinbauern und Crevettenfischer verdingen, ganze Parzellen. Und damit ihren Lebensunterhalt. Die Geprüften nehmen ihr Schicksal mit beachtlichem Gleichmut hin: „Der Fluss wählt einen Weg und weicht von ihm ab, das ist sein Spiel“, lautet eine alte Redewendung. Verringert sich der Mangrovenbestand in Bangladesch, dessen Waldgebiete heute weniger als sechs Prozent der Gesamtfläche betragen, verschwindet auch der Boden. Als würde das nicht schon genügen, zeichnet sich seit einigen Jahren eine weitere Umweltkatastrophe ab: In vielen Abschnitten sterben die Kronen der Mangrovenbäume ab. Das hängt möglicherweise mit dem Salzgehalt des Wassers zusammen. Weil der Ganges seine Hauptfliessrichtung mittlerweile in Richtung Osten geändert hat, gelangt weniger Süsswasser in seine Nebenflüsse, die das Sumpfgebiet durchziehen. Vermutlich hat der angestiegene Salzgehalt das ökologische Gleichgewicht gründlich durcheinander gebracht – und das Baumsterben hervorgerufen. |


