| Falsche Hoffnungen |
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Agrotreibstoffe werden zur grossen Zukunftshoffnung für die Airlines in aller Welt. Schon den heutigen Motoren könnten zur Hälfte aus Pflanzen gewonnene Treibstoffe beigemischt werden. Doch diese Hoffnung ist trügerisch.
Es hat funktioniert: Sei es Kerosin aus Kokos- oder Purgiernüssen (Jatropha) oder gar Algen. Verschiedene Fluglinien haben in den vergangenen zwei Jahren erfolgreiche Testflüge mit Agrotreibstoffbeimischungen in verschiedener Konzentration absolviert. Den spektakulärsten Flug legte die us-amerikanische Continental Airlines über dem Golf von Mexiko hin. Eine der Turbinen des Testflugzeugs verbrannte ausschliesslich aus Algen gewonnenen Treibstoff. Und plötzlich reden alle davon. Denn der Wind hat gedreht. Schon ab 2012 werden die Fluglinien in der Europäischen Union ihre Klimagase nicht mehr kompensationslos in die Stratosphäre pusten, auch sie werden dann am Emissionshandelssystem beteiligt - und entsprechend belastet. Nicht vom Tisch sind auch Forderungen nach einer Besteuerung des Flugbenzins, die den Airlines einen nicht zu rechtfertigenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Verkehrsträgern verschaffen. Nun sollen es also Agrotreibstoffe richten. Die internationale Luftverkehrsvereinigung möchte schon bis ins Jahr 2017 eine Beimischquote von zehn Prozent erreichen. Andere sind noch weit optimistischer. Doch woher sollen diese Treibstoffe kommen? Um den gesamten Flugverkehr mit Agrotreibstoffen der ersten oder zweiten Generation abzuwickeln, wäre eine Agrarfläche von der Grösse der Europäischen Union nötig. Die Hoffnungen ruhen deshalb ganz auf Algen, dem Agrotreibstoff der "dritten Generation". Da würde die Fläche Belgiens zur Versorgung mit Agrotreibstoffen ausreichen. Doch abgesehen davon, dass die kommerzielle Nutzung von Algen ganz am Anfang steht und einige damit verbundene Umweltprobleme noch einer Lösung harren, verschweigen die Propagandisten nur allzu gerne, dass die Hälfte der Klimagas-Emissionen des Flugverkehrs in seiner heutigen Form unausweichlich sind: Die in grossen höhen ausgestossenen Abgase haben eine beträchtlichen Klimaeffekt, seien sie nun aus der Verbrennung von Agrotreibstoffen oder aus konventionellem Kerosin entstanden. Bei der angestrebten Beimischquote wäre der Effekt damit schon nach fünf Jahren wieder verpufft. |


