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Sep
10
2010
Today
Mainzelmännchenglauben

Anhänger einer industriellen Landwirtschaft propagieren diese als Bremserin des Klimawandels. Die Behauptung tönt zwar gut, ist aber derart kurzsichtig wie die Propagierung der Agrotreibstoffe.

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Agrotreibstoffe werden zur grossen Zukunftshoffnung für die Airlines in aller Welt. Schon den heutigen Motoren könnten zur Hälfte aus Pflanzen gewonnene Treibstoffe beigemischt werden. Doch diese Hoffnung ist trügerisch.

Es hat funktioniert: Sei es Kerosin aus Kokos- oder Purgiernüssen (Jatropha) oder gar Algen. Verschiedene Fluglinien haben in den vergangenen zwei Jahren erfolgreiche Testflüge mit Agrotreibstoffbeimischungen in verschiedener Konzentration absolviert. Den spektakulärsten Flug legte die us-amerikanische Continental Airlines über dem Golf von Mexiko hin. Eine der Turbinen des Testflugzeugs verbrannte ausschliesslich aus Algen gewonnenen Treibstoff. Und plötzlich reden alle davon. Denn der Wind hat gedreht. Schon ab 2012 werden die Fluglinien in der Europäischen Union ihre Klimagase nicht mehr kompensationslos in die Stratosphäre pusten, auch sie werden dann am Emissionshandelssystem beteiligt - und entsprechend belastet. Nicht vom Tisch sind auch Forderungen nach einer Besteuerung des Flugbenzins, die den Airlines einen nicht zu rechtfertigenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Verkehrsträgern verschaffen. Nun sollen es also Agrotreibstoffe richten. Die internationale Luftverkehrsvereinigung möchte schon bis ins Jahr 2017 eine Beimischquote von zehn Prozent erreichen. Andere sind noch weit optimistischer. Doch woher sollen diese Treibstoffe kommen? Um den gesamten Flugverkehr mit Agrotreibstoffen der ersten oder zweiten Generation abzuwickeln, wäre eine Agrarfläche von der Grösse der Europäischen Union nötig. Die Hoffnungen ruhen deshalb ganz auf Algen, dem Agrotreibstoff der "dritten Generation". Da würde die Fläche Belgiens zur Versorgung mit Agrotreibstoffen ausreichen. Doch abgesehen davon, dass die kommerzielle Nutzung von Algen  ganz am Anfang steht und einige damit verbundene Umweltprobleme noch einer Lösung harren, verschweigen die Propagandisten nur allzu gerne, dass die Hälfte der Klimagas-Emissionen des Flugverkehrs in seiner heutigen Form unausweichlich sind: Die in grossen höhen ausgestossenen Abgase haben eine beträchtlichen Klimaeffekt, seien sie nun aus der Verbrennung von Agrotreibstoffen oder aus konventionellem Kerosin entstanden. Bei der angestrebten Beimischquote wäre der Effekt damit schon nach fünf Jahren wieder verpufft.

 

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article thumbnail Urwaldzerstörung in Kolumbien. Die Gewinnung von Agrotreibstoffen ist oft mit Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden.
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Redaktion: Pressebüro Seegrund, Martin Arnold, Urs Fitze, Thomas Veser, Manuela Ziegler, Claudia Rindt,   Design & Webmaster: www.eveline-arnold.ch, Eveline Arnold

Was wir erreichen wollen

Was kommt zuerst: der Sprit oder das Essen? Natürlich: das Essen. Doch die Apologeten eines neuen Energiezeitalters sehen das etwas anders. Sie relativieren, sie negieren, sie machen Versprechungen – und sie handeln. Weltweit boomen Agrotreibstoffe, gefördert mit Mitteln aus den öffentlichen Haushalten von Ländern und internationalen Organisationen, wie nie zuvor. Die Folgen sind vor allem für die Ärmsten schon jetzt zu spüren. Der Hunger auf der Welt nimmt in erschreckendem Tempo wieder zu. www.brotimtank.org begleitet diese Entwicklung mit Berichten, Reportagen und Hintergrundinformationen aus aller Welt. Wir fühlen uns dem klassischen Journalismus verpflichtet. Kritisch, aber fair und redaktionell unabhängig leistet www.brotimtank.orgeinen...