Das Delta des Tana-Stromes in Kenya zählt zu den bedeutendsten Vogelparadiesen Afrikas. Nun will die Regierung das Gebiet für die Lebensmittel- und Agrotreibstoffproduktion erschliessen. Zehntausende Menschen sollen umgesiedelt werden.
Der Tana-Strom durchfliesst im Norden Kenyas ein riesiges Delta, bevor er in den indischen Ozean mündet. Das Ökosystem beherbergt 22 verschiedene Wasservogelarten. Das Delta ist auch international bedeutend als Rastplatz für zahlreiche Zugvögel. In den 1990er-Jahren scheiterten Pläne, das Delta in eine riesige Plantage für den Anbau von Reis und Mais und die Shrimps-Zucht zu verwandeln, kläglich. Armut und gravierende Umweltschäden waren die Folgen. Doch Lehren daraus scheint die kenyanische Regierung nicht ziehen zu wollen. Nach den Hungeraufständen der jüngsten Zeit soll das Tana-Delta zur Korn- und Agroenergiekammer Kenyas werden. So will die regierungseigene Entwicklungsgesellschaft für die Flüsse Tana und Athi grosse Flächen für die Produktion von Zuckerrohr, Reis und Mais zu nutzen. Im Juni genehmigte das höchste Gericht Kenyas die Pläne. Die Regierung hat inzwischen 40‘000 Hektar für den Reis- und Mais-Anbau freigegeben. 25‘000 Einwohner aus 30 Dörfer sollen dafür umgesiedelt werden. Umweltorganisation protestieren scharf. Sie argumentieren, hier werde mit dem Totschläger-Argument der Hunger-Bekämpfung irreparabler Schaden angerichtet. Es gebe keinerlei langfristigen Pläne für die Entwicklung des Deltas, und die lokale Bevölkerung geniesse keinerlei Mitspracherechte. Die Plangenehmigung durch die kenyanische Regierung könnte eine Lawine von Projekten lostreten. So plant die kanadische Bedford Biofuels, 90‘000 Hektar für die Dauer von 45 Jahren für den Jatropha-Anbau zu pachten. Und Qatar möchte 40‘000 Hektar Land für die Produktion von Nahrungsmitteln und bietet dafür Unterstützung für den geplanten Bau eines neuen Hafens in der nahen Stadt Lamu. Die Naturschutzorganisation NatureKenya möchte nun in enger Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Vogelschutzorganisationen, unter ihnen BirdLife Schweiz, das Schlimmste verhindern. So soll das Tana Delta auf die Liste der Feuchtgebiete von internationale Bedeutung gesetzt werden. Dazu müssen indes noch verschiedene Daten erhoben und Studien erarbeitet werden. Eine ökonomische Studie hat indes gezeigt, dass die langfristigen Perspektiven für die lokale Bevölkerung angesichts der derzeitigen Pläne mehr als nur düster sind. Die Monokulturen schaffen kaum Arbeitsplätze, die Gewinne bleiben nicht in der Region. Nature Kenya arbeitet deshalb an einem Masterplan, der Naturschutz und die Interessen der Bevölkerung deutlich stärker berücksichtigt.
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