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Immer mehr Länder Südosteuropas exportieren Raps und Sonnenblumenöl in die reichen EU-Staaten für die Produktion von Agrokraftstoffen. Die entstehenden Defizite in ihrer Nahrungsmittelindustrie decken sie durch den Import von Palmöl aus Indonesien.
Bis 2020 sollen Agrokraftstoffe zehn Prozent des Gesamtkraftstoffverbrauchs im Verkehrssektor ausmachen. Diese und weitere EU-Richtlinien für erneuerbare Energien kurbeln die Produktion von Pflanzenöl weltweit mächtig an. Der Wirtschaft tut das zwar gut, ökologisch aber führt es in die Irre, wie die jüngsten Entwicklungen in Südosteuropa zeigen.
Mehr Palmöl in Südosteuropa
Bulgarien plant nach indonesischen Presseberichten von Ende November einen Verladehafen für Palmöl an der Schwarzmeerküste. Das sickerte im Rahmen eines Wirtschaftsforums mit bulgarischen Vertretern im indonesischen Lombok durch. Dabei soll sich der Handel über Palmöl hinaus auf die landwirtschaftliche Produktion ausdehnen. Bulgarien wird dafür 30 Millionen US-Dollar in die indonesische Düngemittelindustrie investieren. Allein schon die Investitionen für das „grüne Gold“ scheinen vielversprechend. Nach der Ukraine will nun auch Bulgarien mehr Palmöl importieren. Beobachter erkennen diesbezüglich einen Trend. Die Länder Südosteuropas verkaufen immer mehr Rapssamen und Sonnenblumenkerne an die reichen EU-Nachbarn für den Aufbau von Biodieselanlagen. Im Gegenzug wird in den EU-Mitgliedsländern, jüngeren wie älteren nun ersatzweise Palmöl für die Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Hinter der Verschiebung der Palmölexporte stecken klimapolitische Entscheide der jüngsten Vergangenheit.
Subventionen locken
Laut Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) - das in immerhin 47 Staaten gilt - wird der Einsatz von Palmöl in Blockheizkraftwerken mit einer Leistung über 150 kW nicht mehr staatlich gefördert. Das heisst die Stromerzeugung mit Palmöl ist nicht mehr wirtschaftlich, die mit subventioniertem Raps und Sonnenblumenöl hingegen schon. Ein weiterer Nachfragemotor dürfte die jüngste EU-Richtlinie darstellen. Nach ihr ist Palmöl zur Herstellung von Agrokraftstoff nur noch zugelassen, wenn es um mindestens 35 Prozent geringere CO2-Emissionen ausweist als Treibstoff auf Erdölbasis. Und das ist nicht machbar. Denn die CO2-Bilanz von Palmöl ist ernüchternd: Für die Produktion von einer Tonne Agrotreibstoff aus Palmöl werde zwei bis acht Mal mehr CO2 freigesetzt als bei der Verbrennung der gleiche Menge von Erdöl, schätzt etwa die deutsche Umweltorganisation „Rettet den Regenwald“. Das Geschäft mit Palmöl ist deshalb aber längst nicht zu Ende. Es wird auf einem anderen Markt gemacht.
Verlagerung des Geschäfts
Für die Herstellung von Kerzen, Margarine, Süssigkeiten, Kosmetika und Waschmittel steht Palmöl in der EU weiterhin hoch im Kurs. Die Preise für Palmöl sollen nach Angaben der Firma Godrej, dem grössten indonesischen Palmöllieferanten für den indischen Markt, in 2010 in die Höhe schnellen. Die jahreszeitlich bedingte Niedrigproduktion könnte in Kombination mit den warmen Temperaturen infolge von El Nino, gar zu Lieferausfällen führen. Bulgarien will sich vermutlich mit einem entsprechenden Depot rüsten und wittert ein grosses Geschäft. Die gegenwärtige Entwicklung in Südosteuropa zeigt, dass auch Agrokraftstoffe den Gesetzen des Weltmarktes unterliegen. Sie ist jedoch in erster Linie eine Folge klimapolitischer Fehlentscheide. Durch sie verkehrt sich das eigentlich Ziel, nämlich eine Reduktion von CO2 Emissionen, in sein Gegenteil.
Palmöl treibt Klimawandel voran
Nicht genug damit, dass die Verwendung von Raps und Konsorten als Agrotreibstoff weit mehr CO2 produziert als die Verbrennung von Erdöl. Nun müssen die hiesigen Pflanzenöle auch noch durch Palmöl ersetzt werden, dessen CO2-Bilanz nachgerade verheerend ist. Denn für den Plantagenbau werden Urwälder abgeholzt und dabei riesige Mengen CO2 freigesetzt. Gerade in Indonesien schreitet die Waldrodung rasant voran. Jede Woche fallen 355 Quadratkilometer Wald – mehr als die Fläche Münchens- der Kettensäge zum Opfer. Das zerstört nicht zuletzt die Lebensgrundlagen der Einheimischen sowie die Tier- und Pflanzenwelten. Schon jetzt ist das Entwicklungsland Indonesien daher nach den USA und China der drittgrösste Klimasünder der Welt. Angesichts der klimatischen Folgen der Palmölproduktion, nehmen sich die Ergebnisse des Roundtable for Sustainable Palmoil (RSPO) vom November für eine Zertifizierung von Palmöl wie Schönfärberei aus. Vor sieben Jahren war der von Produzenten, Händlern, Konsumenten und Nicht-Regierungs-Organisationen gebildete runde Tisch angetreten, um Kriterien für eine nachhaltige Produktion auszuarbeiten - bisher ohne Erfolg. Auch wenn seit vergangenem Jahr bereits „provisorische“ Zertifikate ausgestellt werden.
Verbindliche Richtlinien gefordert
250 Organisationen aus aller Welt protestieren zum wiederholten Mal mit der „Internationalen Deklaration gegen das Reinwaschen von Palmöl durch den runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“. Der jüngste Entscheid des RSPO gibt ihnen recht. Danach wird es weiterhin keine verbindlichen CO2-Emissionsziele geben. Stattdessen sollen innert eines Jahres Kriterien ausgearbeitet werden, an die sich die Produzenten freiwillig halten können – das Wohlfühl-Zertifikat gibt es trotzdem. Da helfen nur noch verbindliche Gesetze für die Palmölindustrie und zwar schnell.
Quelle: http://www.palmoilhq.com/PalmOilNews/bulgaria-to-develop-black-sea-indonesian-palm-oil-terminal/
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