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Grossflächigen Urwäldern auf der Insel Sumatra droht Brandrodung. Auch hier lockt das grosse Geschäft mit Palmöl. Greenpeace Umweltschützer machen europäische Konsumenten für den Kahlschlag mitverantwortlich und fordern „Schluss mit Palmöl als Agrotreibstoff“.
In den Sümpfen Riaus auf der Insel Sumatras sollen bald riesige Urwälder gerodet werden. Entwässerungskanäle werden seit Monaten durch den Sumpf gezogen, um ihn trocken zu legen. Anschliessend möchte der indonesische Holzkonzern April, einer der weltgrössten Papierhersteller und Teil des mächtigen indonesischen Holzkonzern Sinar Mas, hier mit grossflächiger Rodung beginnen. Auf dem 700 Quadratkilometer grossen Areal von der Fläche Singapurs soll eine Palmölplantage entstehen.
Die Akteure im lukrativen Palmölgeschäft schrecken vor kaum etwas zurück. Bei den Sümpfen von Riau handelt es sich um eines der letzten noch nicht unter Naturschutz stehenden Urwaldgebiete, in dem seltene Tierarten wie der Sumatra-Tiger leben. Im Strom des Kampar schwimmen Flussdelphine, der WWF zählt die Wälder an seinen Rändern zu den artenreichsten der Welt. Doch in Gefahr sind auch die Urwaldbewohner. 700 ihrer Häuser wurden im vergangenen Dezember von einem Hubschrauber aus mit Flammenwerfern abgebrannt. Die Leichen von drei Umweltaktivisten fand die Bevölkerung eines eines Morgens erschlagen in einem Teich. Angesichts derartiger Willkürherrschaft ist es fraglich, ob Greenpeace mit seiner zu Wochenbeginn gestarteten Kampagne – ein Camp aus einfach Holzhütten über dem Kampar gegenüber dem Dörfchen Teluk Meranti- die Rodung verhindern kann.
Trotz Versprechen der Regierung, die Wälder des Landes zu schützen, sind in den letzten beiden Jahrzehnten allein in Riau, einer Provinz von der Grösse der Schweiz, 75 Prozent des Urwalds verschwunden. Die grossen Konzerne wie April sind die uneingeschränkten Herrscher im Urwald. Ihre Konzessionen zur Waldrodung stammen vielfach noch aus der Zeit des Suharto-Regimes. Zwar wurden diese von der demokratisch gewählten Regierung des Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono eingeschränkt. Und die Konzerne müssen der örtlichen Bevölkerung eigentlich die Nutzungsrechte am „Wald ihrer Ahnen“ abkaufen. Aber das Gesetz erweist sich als Papiertiger, wie die gewalttätige Vorgehensweise gegen die Widerstände der Ureinwohner zeigen. Auch die Lokalpolitiker scheren sich herzlich wenig um hiesige Gesetze. Der Distrikvorsteher von Teluk Melanti etwa sitzt wegen illegalen Holzeinschlags im Gefängnis.
Doch Greenpeace Umweltschützer warnen davor, für den Kahlschlag des Urwalds allein die korrupten Lokalpolitiker sowie die Holzmafia verantwortlich zu machen. Indirekt förderten auch die europäischen Verbraucher den Raubbau. Denn seit Agrotreibstoffe als Beimischung zum Dieselbenzin angepriesen werden, lohnt sich der Anbau des billigen Palmöls erst recht. Daneben findet sich Palmöl auch in vielen Nahrungsmitteln, etwa im Schokoriegel, der Margarine und Fast Food. Nicht nur sollten die europäischen Verbraucher weniger Waren konsumieren, die Palmöl enthalten. Es müsse laut Greenpeace Schluss sein damit, dass nicht nachhaltig produziertes Palmöl als vermeintlicher Biosprit in Europas Zapfsäulen angeboten werde. Denn die Deklaration ist der blanke Hohn angesichts der Zerstörung von Lebensgrundlagen für Menschen, Tier- und Pflanzenwelt, aber auch der klimatischen Folgen, welche die bevorstehende Brandrodung auf Sumatra nach sich ziehen wird.
Die Wälder in Kampar stehen auf bis zu 16 Meter dicken Torfschichten. Torf speichert besonders viel Kohlenstoff. In Kampar sind es etwa zwei Milliarden Tonnen. Dieser Kohlenstoff wird als CO2 wieder freigesetzt, wenn die Urwälder zerstört werden. „Die Lunge Südostasiens wird in Flammen stehen“ meint Paul Winn, ein Greepeace-Experte für tropische Feuchtgebiete aus Neuseeland. Greenpeace appelliert an die Regierungschefs, die Entwaldung zu stoppen. Denn sie sei ein Schlüssel, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Ob die Umweltschützer die Brandrodung verhindern können, ist äusserst fraglich. Die Waldrodung schreitet in Indonesien rasant voran. Jede Woche fallen 355 Quadratkilometer Wald – mehr als die Fläche Münchens- der Kettensäge zum Opfer. Dabei werden grosse Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. Schon jetzt ist das Entwicklungsland Indonesiens daher nach den USA und China der drittgrösste Klimasünder der Welt. Beim kommenden Klimagipfel in Kopenhagen sind laut Greenpeace 30 Milliarden US-Dollar nötig, um Indonesiens Regierung mit Geldern aus dem CO2-Handel zu einem Moratorium für den Schutz des Urwalds zu bewegen.
Quelle: wissen.spiegel.de/wissen/resultset.html;iso?suchbegriff=j%FCrgen+kremb&site=SPIEGEL www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/sumatra_ein_damm_gegen_urwaldzerstoerung/ |