|
Interview mit Victoria Tauli-Corpuz
Victoria Tauli-Corpuz: „Agrotreibstoffe sind für die indigenen Menschen katastrophal und beinahe schon eine genauso grosse Bedrohung wie der Klimawandel selbst. Das Geschäft mit Agrotreibstoffen ist nur im ganz grossen Stil möglich. Es lockt Investoren an, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben. Der Anbau zur Gewinnung von Agrotreibstoffen zerstört die Artenvielfalt. Vor allem aber werden für deren Anbau Menschen vertrieben. Und nicht nur in Entwicklungsländern. Sogar in den USA sind Indianer Opfer der Agrotreibstoffexpansion.“
Der Klimwandel ist dennoch auch für indigene Menschen eine Bedrohung. Man muss Wege finden, die Ernährung sicherzustellen.
Victoria Tauli-Corpuz: „Ja, wir sind besonders betroffen. Etwa 30 Prozent der indigenen Menschen hungern oder sind unterernährt. Wenn aber über Klimaschutz und Hungerproblematik gesprochen wird, sitzen wir selten am Tisch. Die Weltbank und die Agroindustrie glauben, die richtigen Rezepte gefunden zu haben.“
Bald 900 Millionen Menschen hungern. Es müssen schnell sehr viele Nahrungsmittel produziert werden. Das kostet Geld und ist nur mit intensiven Anbaumethoden möglich.
Victoria Tauli-Corpuz: „Natürlich: Das Geld wird dann für Dünger, Unkrautvernichter und Funghizide benötigt. Das sind die Rezepte der grünen Revolution, welche vielerorts erschöpfte Böden hinterlassen haben. Auch diese tragen zur Nahrungsmittelkrise bei. Wenn Robert Zoellick als Präsident der Weltbank sagt, es gebe ein Hungerproblem und sie, die Weltbank, habe die Lösung, antworten wir: Nein, wie kennen die Lösung.“
|