MainzelmännchenglaubenAnhänger einer industriellen Landwirtschaft propagieren diese als Bremserin des Klimawandels. Die Behauptung tönt zwar gut, ist aber derart kurzsichtig wie die Propagierung der Agrotreibstoffe.
Die Verhaltensforscherin Jane Goodall hat mit ihrer jahrzehntelangen Forschung entscheidend dazu beigetragen, auch das Bild des Menschen in der Natur zu verändern. „Unser Platz ist im Königreich der Tiere - und nicht ausserhalb", sagt sie im Interview.
In Brasilien hat der Zuckerrohranbau eine lange Tradition. Und auch die Geschichte der Ethanol-Produktion begann schon vor 30 Jahren. Deshalb träumt das Land davon, zum Saudi-Arabien des Bio-Sprits aufzusteigen.
Auf einer internationalen Konferenz, welche UNICA, die “Nationale Vereinigung der Zucker- und Alkoholfabrikanten“ im World Trade Center in Sao Paulo vor einigen Wochen veranstaltete, herrscht Goldgräberstimmung. Brasilien feiert sich als effizientesten Produzenten von Ethanol in der Welt.
Zu den Opfern des Landhungers der Agrotreibstoffhersteller gehören unzählige Pflanzen- und Tierarten.
Die World Conservation Union (IUCN) schätzt, dass hier noch etwa 7000 Orang-Utans leben. Seit 1900 ist der Bestand um 91 Prozent zurückgegangen. Sie sind deshalb akut vom Aussterben bedroht. Kaum besser ergeht es den etwas grösseren Artgenossen in Borneo. Dort leben nach verschiedenen Schätzungen noch zwischen 15'000 und 30'000 Tiere. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) widmet dem Orang Utan, was auf malaiisch Waldmensch heisst, einen alarmierenden Bericht: Als Resultat der immer tiefer in den Urwald eindringenden Siedler, der Holzfäller und der Palmölplantagen seien nach Schätzungen bis zum Jahr 2022 98 Prozent des Tiefland-Urwaldes zerstört. Die UNEP empfiehlt deshalb vor allem, die vorhandenen Nationalparks besser zu schützen und illegale Plantagen aufzuheben.
Bild des Monats
Urwaldzerstörung in Kolumbien. Die Gewinnung von Agrotreibstoffen ist oft mit Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden.
Was kommt zuerst: der Sprit oder das Essen? Natürlich: das Essen. Doch die Apologeten eines neuen Energiezeitalters sehen das etwas anders. Sie relativieren, sie negieren, sie machen Versprechungen – und sie handeln. Weltweit boomen Agrotreibstoffe, gefördert mit Mitteln aus den öffentlichen Haushalten von Ländern und internationalen Organisationen, wie nie zuvor. Die Folgen sind vor allem für die Ärmsten schon jetzt zu spüren. Der Hunger auf der Welt nimmt in erschreckendem Tempo wieder zu.
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