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Immer mehr Anlegern genügt es nicht mehr, zu wissen, dass ihr Geld arbeitet. Sie wollen auch wissen, was es arbeitet. Geld soll nicht unsauber Geld verdienen. Ethische Kriterien liegen im Trend. Doch viele Fonds sind nicht wirklich sauber.
Die meisten Banken bieten so genannte „Sustainable funds“ an, also Anlagemöglichkeiten, welche in nachhaltige Unternehmen und Projekte investieren. Doch nicht in jedem Investmenfonds, der im Namen das Wort Öko trägt, ist auch wirklich öko. So befinden sich in solchen Investmentfonds auch mal Aktien von Automobilkonzernen, Fluggesellschaften und Erdöl-Firmen. Eine klare Definition, was in einem Okofonds drin sein darf, gibt es nicht. In der Regel investieren Oekofonds in Unternehmen, die sich zumindest um einen nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen bemühen und auf geringe Umweltauswirkungen bei ihrer Tätigkeit achten. Doch oft sind die Unternehmen so komplex, dass diese Aussage für ein Teil der Firma zutrifft und für einen anderen Teil eben nicht.
Ehrgeiziges Ethanolprogramm
Dass dabei nicht alle Banken eine glückliche Hand besitzen, beweist die UBS mit ihrem UBS (Lux) Equity Fund – Eco Performance. Die Grossbank investiert in die Vorreiter einer Branche. Im Energiesektor ist dieser Vorreiter Shell. Ganz abgesehen vom ökologischen Desaster im Nigerdelta, das Shell mit verantwortet, betätigt sich Shell auch in die Entwicklung von so genannten Biotreibstoffen. In Ländern wie Indonesien und Brasilien, aber auch in Afrika werden für die Agrotreibstoffe im grossen Stil Energiepflanzen angebaut und zwar auf eine Weise, die nichts mit biologisch zu tun hat. Shell investiert in Brasilien in diese Agrotreibstoffe, weil das südamerikanische Land seit dem Ölschock in den 70er Jahren ein ehrgeiziges Ethanolprogramm zur Eigenversorgung aufgebaut hat. Das Kyoto-Protokoll mit den damit verbundenen, verpflichtenden Reduktionszielen an Treibhausgasen, aber auch die von der USA angestrebte grössere Unabhängigkeit vom arabischen Öl hat die Nachfrage nach Agrotreibstoffen sprunghaft ansteigen lassen. Damit verbunden ist eine Industrialisierung des Pflanzenanbaus. Die UBS begründet die Aufnahme von Shell in einen Fonds, der als nachhaltiges Investment angepriesen wird, wie oben erwähnt mit der Aussage, Shell sei das nachhaltigste Unternehmen der Branche.
Auch BP ein nachhaltiges Investment
Bei einer einfachen Googlerecherche taucht auch BP in zahlreichen Fonds auf, die ein nachhaltiges Investment propagieren. Ob dies heute noch so ist, spielt keine Rolle. BP hat im Golf von Mexico hunderte von Sicherheitsvorschriften missachtet, während der Konzern gleichzeitig als verantwortlich handelndes Unternehmen angepriesen wurde. In Anlehnung der flapsigen Ausspruch: Trau keiner Studie, die du nichts selber gefälscht hast, könnte man auch unter dem Eindruck der Finanzkrise sagen: Trau keiner Analyse, die du nicht selber erstellt hast. Jedenfalls beurteilt Innovest, eine im Auftrag der UBS unabhängig arbeitende Ratingagentur auf Nachfrage, Shell als sehr verantwortungsvolles Unternehmen mit einer fortschrittlichen Umweltpolitik. Teil dieser Umweltpolitik sei es, alternative Treibstoffe zu fördern. Dazu gehörten Agrotreibstoffe. Das Engagement in Brasilien werde deshalb ausgebaut, weil Brasilien über eine lange Tradition und ein Know-how bei der Ethanolproduktion aus Zuckerrohr verfügt. Brasiliens Autos würden heute schon mehrheitlich mit Pflanzensprit fahren und Zuckerrohr sei in diesem Klima der ideale Treibstoff für die benötigte Mobilität. Mit keinem Wort gehen die Analysten auf die gewaltigen sozialen Probleme ein, die durch den Anbau entstehen: Landvertreibungen, sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse und die Verdrängung anderer, vermeintlich unrentablerer Agroprodukte. Dazu gehören die Viehhaltung und der Soyaanbau. Ihnen bleibt es überlassen, weiter für die Zerstörung des Urwaldes zu sorgen. Entgegen den Beteuerungen von Präsident Lula da Silva an der Welt-Klimakonferenz von Kopenhagen, Brasilien werde die Urwaldzerstörung stoppen, schreitet die Abholzung weiter voran. Brasilien hat gar eine Möglichkeit, den Urwald zu überwachen und Abholzungen zu verhindern. Die dazu benötigte Satellitentechnologie ist noch nicht soweit. Keine Restriktionen bei Ölmultis
Das Beispiel zeigt, wie kurzsichtig Anleger aber vor allem auch die Fondanbieter agieren. Sie haben in den wenigen Jahren, wo es die so genannten nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten gibt, ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Den Investoren geht es nicht um eine wirklich umweltschonende Investition und genauso wenig um die Förderung einer sozial nachhaltigen Investitionsweise. Banken und Investoren denken einzig an ihren eigenen Profit. Ihre Überlegung lautet: „Wenn das von mir unterstützte Unternehmen nachhaltig mit den Ressourcen umgeht, spart dies Produktionsosten. Dies wiederum erhöht den Gewinn.“ Und weil das so einfach ist, steigen die Investitionen in die angeblich nachhaltigen Fonds kontinuierlich an. So hatte der Credit Suisse Fund Global Responible Equities und andere von der Credite Suisse verwaltete Vermögen mit „hohem Nutzen für Gesellschaft und Umwelt“ 2007 ein Volumen von 2,48 Milliarden Franken. Trotz Finanzkrise stieg es bis 2009 auf 3,5 Milliarden Franken. Im Portfolio des Fonds befinden sich Anteile von Petrobras. Petrobras ist einer der grossen Produzenten von Ethanol in Brasilien. Die CS schreibt in ihrer Stellungnahme dazu: „Es gibt keine speziellen Restriktionen, welche das Kaufen oder Halten von Ölunternehmen einschränken.“ Die CS findet, dass im Bereich der alternativen Energieforschung und Entwicklung einige führende Ölmultis zu den Vorzeigeunternehmen gehörten. Solange damit nicht der schonende Umgang mit Böden und ein sozial verantwortliches Vorgehen gegenüber der Gesellschaft in der Agrarregion der Geschäftstätigkeit gemeint ist, mag diese Aussage sogar stimmen. Es geht auch ohne Agrotreibstoffe
Natürlich gibt es auch Beispiele von Oekofonds, die keine Agrotreibstofftitel enthalten. Swisscanto schreibt für die Kantonalbanken: Grundsätzlich investieren wir nicht in so genannte Biotreibstoffe, da die gesamte Umweltbelastung bei diesen Treibstoffen ungünstig ausfällt. Und auch die Bank Sarasin führt nach eigenen Angaben in ihren Nachhaltigkeitsfonds keine Firmen mehr, die im Bereich der Biomasse tätig sind.
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