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Sep
05
2010
Today
Mainzelmännchenglauben

Anhänger einer industriellen Landwirtschaft propagieren diese als Bremserin des Klimawandels. Die Behauptung tönt zwar gut, ist aber derart kurzsichtig wie die Propagierung der Agrotreibstoffe.

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EU will Urwaldzerstörung verhindern E-Mail

Agrotreibstoffproduzenten können in der EU bald nur noch dann auf öffentliche Förderungsgelder hoffen, wenn bei der Produktion des Kraftstoffes nicht mehr Treibhausgase entstehen als bei herkömmlichem Treibstoff. Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, sorgt sich offensichtlich um das immer schlechtere Image der so genannten Biotreibstoffe. Laut der neuen EU-Richtlinie über erneuerbare Energieträger, die im Dezember dieses Jahres in Kraft treten wird, müssen Agrotreibstoffe in einem ersten Schritt bei der Herstellung und dem Transport um 35 Prozent weniger Kohlendioxid, Methan und Stockstoffoxide verursachen, als das bei konventionellen Kraftstoffen der Fall ist. Genau das aber ist bei vielen Agrotreibstoffen, wo zuerst der Urwald gerodet und dann Düngermittel zum Einsatz kommen, nicht der Fall. Um das Reduktionsziel zu überprüfen, müssen Mineralölkonzerne, die den Ackersprit herkömmlichen Kraftstoffen beimischen, von unabhängigen Auditoren messen lassen, wie es um die Umweltbelastung ihrer Agrotreibstoffe von der Bepflanzung bis zu Zapfsäule steht. Damit soll verhindert werden, dass Treibhausgasbilanz im EU-Raum zwar schöner aussieht, gleichzeitig aber in Indonesien, Brasilien oder Afrika Unmengen CO2 in die Atmosphäre gelangt. Die Kommission möchte die Einhaltung dieser Vorschriften nicht selber überprüfen, sondern regt die Schaffung eines europaweiten Zertifizierungssystems an. Weil sich aber die Ölfirmen nach Aussage Oettingers „konstruktiv“ am Aufbau dieses Systems beteiligen, scheint es fast so, als würde der Fuchs mit der Aufsicht über den Hühnerstall beauftragt. Jedenfalls muss bei der Kompetenzregelung sicher gestellt werden, dass die Ölfirmen inhaltlich keinen Einfluss auf die Arbeit der Zertifizierungsstellen nehmen können. Die Anforderungen an die Produzenten werden nun schrittweise verschärft. Ab 2017 muss die Treibhausgas-Reduktion gegenüber herkömmlichen Treibstoffen 50 Prozent betragen. Ab 2018 steigt der Reduktionsgrad weiter auf 60 Prozent. Nur wer nachweislich diese Vorgaben erfüllt, kann auch zukünftig mit staatlicher Unterstützung rechnen.

 

 

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article thumbnail Urwaldzerstörung in Kolumbien. Die Gewinnung von Agrotreibstoffen ist oft mit Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden.
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Redaktion: Pressebüro Seegrund, Martin Arnold, Urs Fitze, Thomas Veser, Manuela Ziegler, Claudia Rindt,   Design & Webmaster: www.eveline-arnold.ch, Eveline Arnold

Was wir erreichen wollen

Was kommt zuerst: der Sprit oder das Essen? Natürlich: das Essen. Doch die Apologeten eines neuen Energiezeitalters sehen das etwas anders. Sie relativieren, sie negieren, sie machen Versprechungen – und sie handeln. Weltweit boomen Agrotreibstoffe, gefördert mit Mitteln aus den öffentlichen Haushalten von Ländern und internationalen Organisationen, wie nie zuvor. Die Folgen sind vor allem für die Ärmsten schon jetzt zu spüren. Der Hunger auf der Welt nimmt in erschreckendem Tempo wieder zu. www.brotimtank.org begleitet diese Entwicklung mit Berichten, Reportagen und Hintergrundinformationen aus aller Welt. Wir fühlen uns dem klassischen Journalismus verpflichtet. Kritisch, aber fair und redaktionell unabhängig leistet www.brotimtank.orgeinen...