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Sep
06
2010
Today
Mainzelmännchenglauben

Anhänger einer industriellen Landwirtschaft propagieren diese als Bremserin des Klimawandels. Die Behauptung tönt zwar gut, ist aber derart kurzsichtig wie die Propagierung der Agrotreibstoffe.

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Ein Viertel der US-Getreideproduktion füttert Autotanks statt Menschen E-Mail

Ein Viertel aller Mais- sowie anderer Getreideernten in den USA endet als Agrotreibstoff in Autos, statt dass sie Menschen ernähren würden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie in den USA. Danach wirkt sich die Biokraftstoffrevolution, vom früheren Präsidenten George Bush 2007 initiiert, auf die weltweite Beschaffung von Nahrungsmitteln aus.

Die Zahlen des US-Landwirtschaftsministerium aus dem Jahr 2009 zeigen, dass die Bioethanolproduktion Rekordhöhen erreicht hat. Angeheizt wurde sie durch landwirtschaftliche Subventionen sowie den per Gesetz verordneten Einsatz von Sonderfahrzeugen für die Agrotreibstoffe. Im vergangenen Jahr züchteten US-Landwirte 107 Millionen Tonnen Getreide, vor allem Weizen, um sie mit Benzin zu vermischen. Das war beinah zweimal so viel wie 2007. Damals rief Bush die Landwirte auf, die Produktion um 500 Prozent zu steigern, um bis 2017 die Ölimporte stoppen und die CO² Emissionen reduzieren zu können. „Die Getreideernte der USA im vergangenen Jahr reicht aus, um 330 Millionen Menschen für ein Jahr auf einem Durchschnittslevel zu ernähren, sagt Lester Brown, Direktor des Earth Policy Institute, eines Think Tanks in Washington, der die Analyse leitete.

 

Gemäss Brown führt die steigende Nachfrage nach US-Agrotreibstoff dazu, dass die Weltpreise für Getreide zwischen 2006 und 2008 Rekordhöhen erreicht haben. Nach einem geheimen Weltbank-Bericht, den die Zeitung „Guardian“ 2008 offenlegte, soll die Klimapolitik, forciert durch die amerikanischen wie europäischen Regierungen, die Preise für Nahrungsmittel um 75 Prozent in die Höhe getrieben haben. Im krassen Gegensatz dazu stehen Behauptungen der USA, nach denen die Preise lediglich um zwei bis drei Prozent angestiegen seien. Seit damals ist nach Angaben aus dem UN-Welternährungsprogramm, die Zahl der weltweit hungernden Menschen auf über eine Milliarde angestiegen. „Die Praxis, künftig noch mehr Getreide als bisher für die Kraftstoffproduktion umzulenken, wie es die US-Regierung mit ihrem erneuerbaren Energieprogramm vorsieht, wird wahrscheinlich den bedrohlichen Anstieg des Welthungers nur verstärken. Durch die Unterstützung der Agrotreibstoffproduktion mit jährlich sechs Milliarden US-Dollar, subventionieren die US-Steuerzahler, steigende Nahrungsmittelpreise zuhause und in der Welt, sagt Brown.

 

Die USA sind bei weitem der weltgrösste Exporteuer von Getreide - vor Argentinien, Australien, Kanada und Russland zusammen. 2008 riefen die Vereinten Nationen zu einer flächendeckenden Bewertung der Produktion von Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen auf. „Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Agrotreibstoffen und Nahrungsmittelpreisen“, sagt Meredith Alexander, Gegnerin der Ethanolproduktion von Action Aid in London. Gegner argumentieren auch, dass es wissenschaftlich fragwürdig ist, ob die Agrotreibstoffe tatsächlich vor Treibhausgasen schützen. Die Produzenten hingegen bestreiten, dass ihre Rekorderträge weniger Nahrungsmittel bedeuten. „Wenn wir die Entwicklung in der Ethanolproduktion sowie landwirtschaftlichen Technologien vorantreiben wollen, gibt es kein entweder oder von Nahrung und Treibstoffen. Wir können mehr erreichen, als die Nachfrage nach Lebensmitteln und Viehfutter zu befriedigen, während wir gleichzeitig unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl durch die Produktion erneuerbarer Energien verringern", sagt Tom Buis, Chef der Growth Energy Industrie.

 

Quelle: John Vidal, Guardian Newspaper, Übers.: Manuela Ziegler

 

 

 

 

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article thumbnail Urwaldzerstörung in Kolumbien. Die Gewinnung von Agrotreibstoffen ist oft mit Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden.
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Redaktion: Pressebüro Seegrund, Martin Arnold, Urs Fitze, Thomas Veser, Manuela Ziegler, Claudia Rindt,   Design & Webmaster: www.eveline-arnold.ch, Eveline Arnold

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Was kommt zuerst: der Sprit oder das Essen? Natürlich: das Essen. Doch die Apologeten eines neuen Energiezeitalters sehen das etwas anders. Sie relativieren, sie negieren, sie machen Versprechungen – und sie handeln. Weltweit boomen Agrotreibstoffe, gefördert mit Mitteln aus den öffentlichen Haushalten von Ländern und internationalen Organisationen, wie nie zuvor. Die Folgen sind vor allem für die Ärmsten schon jetzt zu spüren. Der Hunger auf der Welt nimmt in erschreckendem Tempo wieder zu. www.brotimtank.org begleitet diese Entwicklung mit Berichten, Reportagen und Hintergrundinformationen aus aller Welt. Wir fühlen uns dem klassischen Journalismus verpflichtet. Kritisch, aber fair und redaktionell unabhängig leistet www.brotimtank.orgeinen...