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Sep
05
2010
Today
Mainzelmännchenglauben

Anhänger einer industriellen Landwirtschaft propagieren diese als Bremserin des Klimawandels. Die Behauptung tönt zwar gut, ist aber derart kurzsichtig wie die Propagierung der Agrotreibstoffe.

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Die Stunde des Chinaschilf E-Mail

36 Milliarden Gallonen Agrotreibstoffe jährlich wollen die Vereinigten Staaten im Jahr 2022 produzieren. Im vergangenen Jahr waren es knapp elf Milliarden, die vor allem aus Maisstärke gewonnen wurden. Nun soll die Stunde von Chinaschilf und Stroh schlagen.

Es ist schon bezeichnend, dass das Thema Agrotreibstoffe in den Vereinigten Staaten Sache des Landwirtschaftsministeriums ist. Und im eben publizierten Fahrplan zur Erreichung der Agrotreibstoffziele ist schon auf der ersten Seite zu entnehmen, worum es eigentlich geht: Neue Marktchancen für die noch verbliebenen zwei Prozent der Bevölkerung, die in der Landwirtschaft tätig sind, zu eröffnen.


In dem 21-seitigen Papier wird eine Agroenergiezukunft skizziert, die auf mehr pflanzlichen Standbeinen baut als die bisher fast ausschliesslich genutzte, extrem ineffiziente Maisstärke, die künftig mit 15 Milliarden Gallonen noch etwa 40 Prozent des Bedarfs decken soll. Der Rest soll mit „fortschrittlichen „ Agrotreibstoffen, die mindestens 60 Prozent weniger Treibshausgase verursachen, gedeckt werden: Chinaschilf, Hirse, Stroh, Holz. Nicht berücksichtigt wurden in dem Szenario bezeichnenderweise die noch am ehesten ökologisch herstellbaren Agrotreibstoffe aus Algen, tierischen Abfällen, Holzschnitzeln oder Siedlungsabfällen. Rund 160 Milliarden Dollar Investitionskosten werden veranschlagt, 500 Agrotreibstoffraffinerien müssen gebaut werden.


Effektiv ersetzt werden wegen des hohen Gestehungsaufwandes für die 36 Milliarden Gallonen Agrosprit nur rund 13,6 Milliarden Gallonen Benzin und Diesel – etwa sieben Prozent des für 2022 erwarteten Konsums an Treibstoffen für den Verkehr. Die prognostizierten Treibhausgas-Emissionen entsprechen etwa 27 Millionen Autos, die aus dem Verkehr gezogen werden. Und, in den Vereinigten Staaten das wichtigste Argument: Die Einkommend der Farmer sollen um 13 Milliarden steigen.

 

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article thumbnail Urwaldzerstörung in Kolumbien. Die Gewinnung von Agrotreibstoffen ist oft mit Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen verbunden.
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Redaktion: Pressebüro Seegrund, Martin Arnold, Urs Fitze, Thomas Veser, Manuela Ziegler, Claudia Rindt,   Design & Webmaster: www.eveline-arnold.ch, Eveline Arnold

Was wir erreichen wollen

Was kommt zuerst: der Sprit oder das Essen? Natürlich: das Essen. Doch die Apologeten eines neuen Energiezeitalters sehen das etwas anders. Sie relativieren, sie negieren, sie machen Versprechungen – und sie handeln. Weltweit boomen Agrotreibstoffe, gefördert mit Mitteln aus den öffentlichen Haushalten von Ländern und internationalen Organisationen, wie nie zuvor. Die Folgen sind vor allem für die Ärmsten schon jetzt zu spüren. Der Hunger auf der Welt nimmt in erschreckendem Tempo wieder zu. www.brotimtank.org begleitet diese Entwicklung mit Berichten, Reportagen und Hintergrundinformationen aus aller Welt. Wir fühlen uns dem klassischen Journalismus verpflichtet. Kritisch, aber fair und redaktionell unabhängig leistet www.brotimtank.orgeinen...