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Afrika könnte sich aus eigenen Kräften ernähren, wäre die Nahrungsmittelproduktion ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit nicht nach wie vor auf westliche Bedürfnisse ausgerichtet.
Katastrophale Missernten, Dürre und unregelmässige Regenzeiten haben jüngst in Schwarzafrika die Getreidepreise in die Höhe getrieben. Erneut wird deutlich, dass die Landwirtschaft und die Ernährung auf dem Kontinent anfällig bleiben. Nach Schätzungen der Hilfsorganisation Oxfam sind bis zu zehn Millionen Afrikaner kurzfristig von Hunger bedroht, die meisten davon leben in der Sahelzone im Westen Afrikas. Es handelt sich dabei vor allem um den Niger und den Tschad. Mit dieser Entwicklung muss sich in erster Linie die Afrikanische Entwicklungsbank auseinandersetzen. Sie gewährt Darlehen und leistet technische Hilfe, um dieser Gefahr entgegenzuwirken. Ende 2008 hatte die Bank in Tunis eine Millarde Dollar aufgeboten, um die Landwirtschaft zu unterstützen. Damit wurden landwirtschaftliche Geräte, Dünger und Reissaatgut für die kommende Aussaat finanziert. So wollte die Bank die Folgen der gewaltigen Erhöhung der Grundnahrungsmittelpreise abfedern.
Gegen Lebensmitteleinfuhren
Diese Hilfe soll vor allem den verarmten Afrikanern zugute kommen, die am stärksten unter den stark schwankenden Preisen für Grundnahrungsmittel leiden. Gleichzeitig sollte auf diese Weise die landwirtschaftliche Produktivität auf „nachhaltige Weise und vor allem durch den Privatsektor“ erhöht werden. In der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise wurde mit Bankdarlehen die einheimische Geflügelzucht bezuschusst. Damit sollte der massiven Einfuhr von ausländischem Fleisch und Eiern ein Riegel vorgeschoben werden. Trotz aller Massnahmen schwebt die Ernährungskrise über Schwarzafrika wie ein Damoklesschwert. Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank reagiert Afrika auf globale makroökonomische Ereignisse langsamer als andere Erdteile. Obwohl die Preise für Nahrungsmittel im zweiten Halbjahr 2008 weltweit sanken, war in den afrikanischen Ländern davon nichts zu spüren. Afrikanische Länder, die am stärksten durch Verelendung bedroht sind, erhalten von der Entwicklungsbank nun verstärkt zinsgünstige Kredite. Auf diese Weise sollen die ökonomische Systeme der Länder in den Stand versetzt werden, vor allem gegen Dürre und Hunger vorzugehen.
Grosse Gefahr für traditionellen Nahrungsmittelanbau
Und das bedeutet, dass die Bank der landwirtschaftlichen Entwicklung auf ihrer Prioritätenliste einen der ersten Plätze eingeräumt hat. Fast 800 Millionen US-Dollar hat die Bank 2008 dafür kurzfristig freigegeben, längerfristig sind 2,2 Milliarden US-Dollar dafür vorgesehen. Ein halbes Jahrhundert nachdem die meisten Länder Afrika die Unabhängigkeit und damit ihre Würde wiedererlangt haben, sind sie nach wie vor fest in die westlichen Wirtschaftssysteme eingebunden. Afrika muss immer noch die europäischen Vorgaben erfüllen. Anstatt die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, werden die Erzeugnisse ausgeführt. Ausserdem werden zunehmend Flächen für den Anbau von Kulturen freigegeben, aus denen Agrotreibstoff für europäische Autotanks destilliert wird. Für die traditionelle Nahrungsmittelherstellung der einzelnen Länder ist das mit grossen Gefahren verbunden, bildet sie doch den Grundpfeiler für den Kampf gegen Hunger und Armut. Die Bilanz ist niederschmetternd. Obgleich die Nahrungsmittelproduktion 2008/2009 um fast 20 Prozent angeklettert ist, kann Afrika Angaben der Entwicklungsbank zufolge nur die Hälfte der Bevölkerung aus eigenen Kräften ernähren. |